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04. Juli 1954 - Gründung der Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft Görlitz – AWG
Mit der Verordnung über die Finanzierung des Arbeiterwohnungsbaus in der DDR wurde die Grundlage zur Bildung der AWG én geschaffen.
Am 04. Juli 1954 wurde die AWG „Solidarität“ mit der Beitrittserklärung von 10 Mitgliedern in der Kantine des VEB Waggonbau Görlitz, Werk I, gegründet.
Der erste gewählte Vorstand bestand aus:
- dem Vorsitzenden Hans Thiem
und den Mitgliedern:
- Hellmut Queitsch
- Heinz Görner
- Max Schneider.
Als Trägerbetriebe wurden der VEB Waggonbau, VEB Feinoptisches Werk und VEB Baubetrieb festgelegt.
Bei der ersten Mitgliederversammlung am 12. Juli 1954 im Görlitzer Maschinenbau waren es bereits 16 Genossenschaftsmitglieder und 35 Interessenten geworden. Es wurde der Name Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft „Solidarität“ beschlossen. Der Vorstand wurde um die Mitglieder:
- Rudolf Zippel
- Wilhelm Schwarze
- und Wolfgang Baldamus
erweitert. Ebenfalls wurde eine Revisionskommission gebildet.
Der erste Finanzierungsplan für die ersten 12 Wohnungseinheiten wurde vorgelegt und beschlossen. Je Genossenschafter waren 2.500,00 Mark finanzieller Anteil, für 1.000,00 Mark Eigenleistungen sowie 400,00 Mark Unterstützung durch die Trägerbetriebe zu erbringen.
Als Baugelände erhielt die AWG vom Rat der Stadt Görlitz an der Johanna-Dreyer-Straße (ehem. Sonderburger Straße) eine Fläche zugeteilt.
Am 15. August 1954 wurde der erste Spatenstich durch den damaligen 2. Kreissekretär der SED, Genossen Witschetzki, für den ersten Wohnblock der Genossenschaft mit 3-Raum-Wohnungen vorgenommen.
Fünf Wochen später nahm der Oberbürgermeister der Stadt Görlitz, Genosse Gleißberg, die Grundsteinlegung nach alter Sitte vor. Eine Kassette mit Tageszeitungen und Münzen wurde eingemauert. In den nächsten Wochen wuchs der Bau zusehends und so konnte bereits am 30.12.1954 Richtfest gefeiert werden.
Zur Jahreshauptversammlung am 10.02.1955 zählt die AWG „Solidarität“ 83 Mitglieder. Es wird berichtet, dass vom 15. August 1954 bis zum 31. Dezember 1954 insgesamt 4.980,5 Stunden mit einem Wert von 10.629,00 Mark als manuelle Leistungen auf der Baustelle erarbeitet wurden.
Nach Fertigstellung des ersten Wohnblocks mit 12 Wohneinheiten wurde dieser im August 1955 zur öffentlichen Besichtigung freigegeben. Interessierte Bürger konnten sich von der Qualität und der Ausstattung der 3-Raum-Wohnungen überzeugen. Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich daraufhin sprunghaft.
In der Zwischenzeit wurden drei weitere AWG´en in Görlitz ins Leben gerufen.
Die AWG „Freundschaft“ mit dem VEB Bekleidungswerk Görlitz und der Deutschen Reichsbahn als Trägerbetriebe. Baustandorte waren die:
- Heinrich-Heine-Straße
- Trotzendorfstraße (ehem. Philipp-Müller-Straße)
- Reichertstraße (ehem. Wilhelm-Pieck-Straße)
- Büchtemannstraße
Die AWG „Frieden-Aufbau“ mit dem Trägerbetrieb VE Kleinbetriebe der Stadt Görlitz. Baustandorte waren hier:
- Paul-Taubadel-Straße (ehem. Heinrich-Rau-Straße)
- Karl-Eichler-Straße
- Lessingstraße
- Alex-Horstmann-Straße
Und die AWG „Glück Auf“ mit dem Trägerbetrieb VEB BKW Oberlausitz und Kraftwerk „Völkerfreundschaft“ Hagenwerder. Hier waren Baustandort:
- Anton-Saefkow-Straße
- Hagenwerder
- Weinhübel-Süd
Im Gesetzblatt I Nr. 26 vom 28. März 1957, Seite 193, ist die „Verordnung über die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften“ überarbeitet. Die finanziellen Genossenschaftsanteile waren je nach WE-Größe, von 900,00 Mark bis 2.700,00 Mark gestaffelt, zu entrichten.
Es folgte in Abstimmung mit dem Rat der Stadt Görlitz der zweite Bauabschnitt auf der Rosa-Luxemburg-Straße, der Hans-Beimler-Straße und der Hilde-Coppi-Straße mit insgesamt 258 Wohnungen. Am ersten Block der Rosa-Luxemburg-Straße arbeiteten Lehrlinge des Baubetriebes Turmdrehkran Rapid I.
Um das Baugeschehen effektiver zu gestalten, fanden sich am 07. November 1958 die Vorstände der drei Görlitzer Genossenschaften zusammen und bildeten die Arbeitsgemeinschaft „Einheit“.
Diese drei Genossenschaften hatten am 01. November 1958 zusammen 640 Mitglieder. Bis Ende 1959 waren 340 Wohnungen bezogen.
Ab 1959 wurden die manuellen Arbeitsleistungen von allen 3 Genossenschaften gemeinsam durchgeführt. Die Verteilungen der Wohnungen erfolgte ebenfalls nach einem gemeinsamen Verteilerschlüssel. Die Verwaltung der Wohnblöcke jedoch erfolgte von der jeweils zuständigen AWG.
Durch den hohen Mitgliederstand bemühten sich die Vorstände der 3 Genossenschaften ein weiteres erschlossenes Baugebiet vom Rat der Stadt Görlitz zu erhalten. Es wurde das Baugebiet Büchtemannstraße/Pestalozzistraße mit 208 Wohnungen vorbereitet. Die Erdarbeiten wurden mit moderner Technik, wie Bagger, Planierraupen und mit Fahrzeugen realisiert. Die Montage erfolgte in Blockbauweise nach dem Typ Q 6. Der Standort wurde von 1959 bis 1963 bebaut. Rechtsträger wurde die AWG „Freundschaft“.
In Weinhübel-Süd war die Erschließung eines neuen Wohngebietes erfolgt. In den Jahren 1962 bis 1966 erhielten dort in den Straßen: Stauffenbergstraße (ehem. Julius-Fucik-Straße), Etkar-André-Straße und Fritz-Heckert-Straße - 256 Genossenschafter der AWG „Solidarität“ eine Wohnung in Blockbau mit Ofenheizung.
Durch die Mitgliedschaft der Kalkwerke Ludwigsdorf als Trägerbetrieb der AWG „Solidarität“ wurde 1966/67 der Bau eines Wohnblockes von 24 Wohnungen im Montagebau Q 6 in Ludwigsdorf möglich.
Nachdem nun auch dieser Bauabschnitt abgeschlossen war, sollten die neuen Standorte künftig mit Fernheizung ausgerüstet werden. Es wurde der Typ IW 64 im Blockbau entwickelt. Neue Standorte in Weinhübel-Süd und –Nord wurden vorbereitet. Hierzu war es jedoch notwendig, dass Heizhäuser in Verbindung mit Industriebetrieben gebaut wurden. Auf der damaligen Straße der Bauschaffenden (heute: Martin-Ephraim-Straße) und der Straße der Kraftwerker (heute: Jonas-Cohn-Straße) erhielt die AWG „Solidarität“ 365 Wohnungen in der 5-geschossigen Bauweise in den Jahren 1968 bis 1971. Die Warmwasserversorgung erfolgte über Gasdurchlauferhitzer. Die AWG „Glück-Auf“ erhielt in den Jahren 1975 bis 1976 jeweils 30 Wohnungen in der Martin-Ephraim-Straße und 50 Wohnungen in der Julius-Motteler-Straße.
Weitere 120 Wohnungen mit Fernwärme wurden auf dem Standort Alex-Horstmann-Straße 1977 an die AWG „Frieden-Aufbau“ übergeben.
In Görlitz-Rauschwalde galt es einen Wohnungsbaustandort für 1.080 Wohnungen zu erschließen. Umfangreiche Tiefbauarbeiten einschließlich der Abbruch von Altbausubstanz waren erforderlich. Durch alle bisherigen Bauepochen wurde dieses Gebiet aufgrund sehr aufwendiger Baugrundverhältnisse gemieden.
Mit Verkündung des neuen Wohnbauprogramms im Jahre 1971, verbunden mit dem Ziel, die „Wohnungsfrage“ als soziale Frage bis 1990 zu lösen, wurde der Wohnungsbau angekurbelt. Es entstanden die Großsiedlungen in der „Plattenbauweise“.
Ab dem 01. November 1978 begann die Montage der WBS-70-Serie (Plattenbauweise 6,3 Mp). Das Plattenwerk Bautzen schuf hierfür die Vorsaussetzungen.
Am 14. Juli 1979 war es dann soweit. Der erste Wohnblock in der neuen industriellen Bauweise WBS 70 war fertiggestellt und 1.200 Interessenten kamen zur Besichtigung einer eingerichteten Wohnung, um sich vom neuen Wohnkomfort überzeugen zu lassen. Die Sächsische Zeitung berichtete am 01. September 1979 über die Grundsteinlegung des WBS-70-AWG-Blockes durch die amtierende Oberbürgermeisterin Ulrike Joachim. Bereits 1980 konnte die AWG „Solidarität“ 340 Wohnungen vom Typ WBS 70 erhalten.
Als ein weiterer wesentlicher Schritt für die Entwicklung der AWG ist 1980 die Zusammenlegung der einzelnen Genossenschaften zur AWG „Solidarität“ zu betrachten. Es wurde ein Vorstand mit 11 Mitgliedern sowie 4 Kommissionen und 3 Wohngebietsleitungen gebildet.
Zum Bestand der AWG „Solidarität“ kamen somit von der:
| AWG "Freundschaft" Görlitz |
372 Wohnungen | am 01.01.1980 |
| AWG "Frieden-Aufbau" Görlitz |
221 Wohnungen | am 01.04.1980 |
| AWG "Glück-Auf" Hagenwerder |
405 Wohnungen | am 01.10.1980 |
Der Schlüssel für die 6.000 Wohnung im Neubaugebiet Görlitz –Königshufen wurde am Nachmittag des 8. Juli 1986 um 14.00 Uhr Am Stadtgarten 19 an die Familie Mannack durch den Stadtrat für Wohnungswirtschaft, Herrn Siegfried Müller übergeben. Damit war der Wohnungsbau im Wohnkomplex II abgeschlossen.
Am 31. Dezember 1988 zählt die AWG "Solidarität" in 619 Häusern mit 218,2 Mio. Mark Grundmittelbestand 5.916 Wohnungen, von denen 4.482 Fernwärme versorgt sind.
Die Wende in Ostdeutschland brachte auch für die Wohnungswirtschaft eine grundlegende Veränderung der Rahmenbedingungen. Mit dem Einigungsvertrages zwischen den beiden deutschen Staaten vom 3. Oktober 1990 wurde auch für uns, das am 5. Mai 1889 erlassene Genossenschaftsgesetz, welches noch heute in überarbeiteter Version gültig ist, wirksam.
Hermann Schulze Delitzsch formulierte 1860 "Ein Mann – Eine Stimme" und so begannen auch wir das genossenschaftliche Mit- und Füreinander auf demokratische Weise neu zu entdecken.
Am 16.12.1990 wählten unsere Mitglieder erstmalig aus den eigenen Reihen 64 Vertreter und 30 Ersatzvertreter, welche sich bereits am 18.12.1990 zu einer ersten Vertreterversammlung zusammenfanden. Hier stimmten sie über die neue Satzung ab, gaben unserer Genossenschaft den Namen
"Wohnungsgenossenschaft Görlitz eG"
und wählten aus ihrer Mitte 12 Aufsichtsratsmitglieder. Diese bestellten zur Leitung der Genossenschaft die hauptamtlichen Vorstandsmitglieder
Karl-Heinz Jungmichel und Bernd Hornig.
Ein weiterer wichtiger Termin in der Geschichte war der 25. November 1992. An diesem Tag erfolgte die Eintragung und Hinterlegung der Mitgliederliste beim Kreisgericht Dresden unter der Nr. 352 in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Dresden. Somit war die volle Geschäftsfähigkeit unserer Genossenschaft gegeben.
Hilfestellung und Unterstützung bei der Lösung der neuen Probleme gab und geben die Verbände GdW – Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen e.V. - sowie der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e. V.
Vorstand und Mitarbeiter arbeiten aktiv und engagiert im Verbandsrat sowie in den Fachausschüssen des Verbandes mit.
Über ein Jahrzehnt erfolgreicher Arbeit und Entwicklung liegen hinter unserer Genossenschaft. Erinnern wir uns an einige entscheidende Prozesse der Überführung in eine soziale „Wohnungswirtschaft“.
- Am 01. Oktober 1991 wurde die 1. Grundmietenverordnung wirksam.
- Die 2. Grundmietenverordnung trat zum 01. Januar 1993 in Kraft. Somit wurde eine weitere Erhöhung der Einnahmen möglich.
- Die Auseinandersetzungen zur Übertragung des Grund und Bodens wurden durch das Wohnungsgenossenschaftsvermögensgesetz beendet und geregelt.
Somit wurden in der Geschichte unserer Wohnungsgenossenschaft Werterhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen in erheblichen Größenordnungen möglich.
Im Jahr 2004 können wir u.a. auf folgende erfolgreich abgeschlossene Sanierungsmaßnahmen zurückblicken:
- die Erdgasumstellung,
- die Rekonstruktion der verschlissenen Warmwasserleitungen in Königshufen
- Fenster-, Dacherneuerungen
- die Rekonstruktion von Hausanschlussstationen
- die Erneuerung der Haus- und Hintertüren in Verbindung mit der Installation von Wechselsprechanlagen und Hausbriefkästen
- die Renovierungsarbeiten in Hausfluren
- die Teil- bzw. Komplettsanierungen unseres Wohnungsbestandes zu 100 %
- erstmalige Balkonneuansetzung im Jahre 1999
- Ablösung der letzten ofenbeheizten Wohnung am 27. August 1999
- Zuschnittsänderung von 4-Raum- zu großen 3-Raum-Wohnungen vollzogen wir erstmalig im Jahr 2002 an Wohnblöcken des Typs IW 64 in Rauschwalde
- Einweihung des neuen Wohn-, Gewerbe und Geschäftshauses am 23. Januar 2003
- „Mit uns bequem nach oben!“ lautete ab 2004 das Motto beim ersten Fahrstuhlanbau an den Wohnblöcken des Bautyps WBS 70
Der Leerstand von Wohnungen stellte ab den Jahren 1996/97 ein neues Problem aber auch eine neue Herausforderung für unsere Genossenschaft dar.
Die Ursache hierfür ist der schnellere Bevölkerungsrückgang in den neuen gegenüber den alten Bundesländern bzw. Gesamtdeutschland. Die Gründe liegen darin, dass zum einen nach der Wende die Geburtenzahl pro Frau in Ostdeutschland zeitweise einen Tiefstand von 0,8 erreicht hatte und zum anderen an der wirtschaftlichen Situation, die nach wie vor eine anhaltende Abwanderung unserer Bevölkerung in die alten Bundesländer aufzeigt. Die Bevölkerungszahl unserer Stadt Görlitz sank von 93.759 Personen im Jahr 1956 auf 57.677 Personen im Jahr 2003.
Dieser Bevölkerungsrückgang ist die Ursache, dass in unserer Genossenschaft der Leerstand von Wohnungen ca. 15 % beträgt. In der Stadt Görlitz stehen derzeit rund 10.000 Wohnungen leer. Das entspricht einem Anteil von ca. 25 % am gesamten Wohnungsbestand. Daraus erwächst der Stadt ein akuter Handlungsbedarf und sie stellt sich daher, wie viele ostdeutsche Städte, den besonderen Herausforderungen des Stadtumbaus.
Zur Lenkung des Stadtumbauprozesses wurde die Arbeitsgruppe zur Fortschreibung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes ins Leben gerufen in der auch der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Görlitz eG aktiv mitarbeitet. Diese gewaltige Herausforderung wird auch für unsere Genossenschaft die nächsten Jahrzehnte von großer Bedeutung sein um auch weiterhin eine wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität unserer WGG eG zu sichern.
Als ein weiterer Schwerpunkt ist die Altersstruktur unserer Einwohner anzusehen. In unserer Stadt liegt das Durchschnittsalter zur Zeit bei ca. 45 Jahren. Durch die veränderten Lebensbedürfnisse unserer älteren Bürger hat auch unsere Genossenschaft über neue Lösungen bezüglich der Gestaltung von Wohnraum und Wohnumfeld nachgedacht und erstmalig in der Geschichte unserer Genossenschaft mit dem straßenseitigen Anbau von Personenaufzügen an den Wohnblöcken der Schlesischen Straße begonnen.
In den kommenden Jahren wird sich diese Entwicklung fortsetzen. Perspektivisch muss sich auch die Wohnungsgenossenschaft Görlitz eG mit Ihrem Bestand diesem Thema weiter widmen. So sind vor allem für die Zukunft Maßnahmen für die Dezimierung von Etagen angedacht. Als erste Objekte sind für das Jahr 2010 die Häuser Nordring 82 bis 100 für die Realisierung einer sogenannten Abzonung geplant.
Die Wohnungsgenossenschaft Görlitz eG besteht seit nunmehr 55 Jahren erfolgreich am Markt und arbeitet beherzt daran, Ihren Mitgliedern und Mietern auch in Zukunft ein gepflegtes, qualitativ hochwertiges und sicheres Zuhause zu bieten.




